Medienkompetenz
Immer stärker setzt sich in der handlungsorientierten Medienpädagogik der Zielbegriff 'Medienkompetenz' durch.
Grundlage bzw. Vorraussetzung handlungsorientierter Medienpädagogik ist, dass jeder Mensch prinzipiell über sich selbst verfügen kann. Der Mensch unterscheidet sich vom Tier durch seine Handlungsfähigkeit. Das Tier reagiert in einer von der Natur vorgegebenen Weise auf Reize, während der Mensch interaktiv und kommunikativ sein Leben bestimmen kann.
Medienkompetenz wird als Teilbereich einer allgemeinen kommunikativen Kompetenz verstanden.
"Kommunikative Kompetenz als Fähigkeit, an gesellschaftlicher Kommunikation zu partizipieren, repräsentiert das übergreifende Ziel, dem in allen pädagogischen, also auch medienpädagogischen Handlungskontexten Geltung zu verschaffen ist.
Medienkompetenz steht für das spezifisch medienpädagogische Ziel und umreißt die Fähigkeit, Medien und medial basierte Kommunikation zu begreifen und ebenso selbstbestimmt wie verantwortlich zu nutzen und sich dienstbar zu machen"
Quelle: Theunert, H. (1999). Medienkompetenz: Eine pädagogische und altersspezifisch zu fassende Handlungsdimension. In F. Schell, E. Stolzenburg & H. Theunert (Hrsg.). Medienkompetenz. Grundlagen und pädagogisches Handeln. München: KoPäd Verlag.
Wie Medienkompetenz sich konkret im Denken, Handeln und Wissen des Menschen zeigt, läßt sich nach Baacke an vier Dimensionen von Medienkompetenz deutlich machen:
- Medienkritik
meint die Fähigkeit, sich analytisch, reflexiv und ethisch mit Medien auseinanderzusetzen. Problematische gesellschaftliche (Medien-)Prozesse sollen angemessen erfasst werden können, mit der Konsequenz, das analytische Wissen auf sich selbst und sein Handeln (sozial verantwortet) anzuwenden.
- Medienkunde
bezieht sich auf das Wissen über heutige Mediensysteme und –strukturen, dabei ist zwischen der informativen und der instrumentell-qualifikatorischen Dimension zu unterscheiden:
Die informative Dimension umfasst klassische Wissensbestände. Hierzu gehört beispielsweise das Wissen um die Strukturen des dualen Rundfunksystems, um die Arbeit von Journalisten, um Programmformate und -genres sowie Wissen über den effektiven Einsatz des Computers als Arbeitshilfe. Die instrumentell-qualifikatorische Dimension meint hingegen die Fähigkeit, Geräte bedienen zu können, also z.B. das sich Einarbeiten in die Handhabung einer Computer-Software oder die Bedienung eines Videorecorders.
- Mediennutzung
lässt sich in zwei Aspekte aufgliedern.
So bezieht sich die rezeptive Nutzung auf die reine Anwendung instrumentell-qualifikatorischer Wissensbestände. D.h. der potentielle Rezipient, der über das notwendige Wissen verfügt, um Medien nutzen zu können, wendet dieses auch tatsächlich an und wird zum realen Nutzer einseitig gerichteter Medienkommunikation.
Die interaktive Nutzung geht über den einseitigen Mediengebrauch insofern hinaus, als dass der Nutzer nicht nur Rezipient, sondern im Rahmen der Kommunikationssituation auch Anbieter von Medienbotschaften
ist. Hierzu gehört primär die Fähigkeit, antworten zu können, wie sie z.B. beim Tele-Banking, Tele-Shopping oder im Telediskurs notwendig ist.
- Mediengestaltung
ist zum einen als innovative Gestaltung des Mediensystems zu verstehen, im Sinne von Veränderungen und Weiterentwicklungen bestehender Angebote. Im Hinblick auf die Mediennutzung Jugendlicher kann hier z.B. die Entwicklung von Softwareprogrammen gemeint sein.
Zum anderen umfasst Mediengestaltung die kreative Gestaltung als ästhetische Variante, das Über-die-Grenzen-der-Kommunikationsroutine-Gehen. Das Verfremden bekannter Werbelogos zum Zweck der Ironisierung oder Provokation kann exemplarisch für diese Dimension angeführt werden.
Quelle: Baacke, D.: Medienpädagogik. Niemeyer, Tübingen 1997